In unserem letzten Newsletter haben wir über den Hintergrund der «Dargebotenen Hand» berichtet. In dieser Ausgabe erzählen nun zwei ehrenamtliche Mitarbeitende über ihre Erfahrungen.

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Mathilde (43), Sekretärin

Seit wann sind Sie freiwillige Mitarbeiterin bei der Dargebotenen Hand?

Seit mehr als 10 Jahren … Ich habe aufgehört zu zählen, seitdem ich 40-jährig bin (lacht). Wenn die Begeisterung da ist, zählt man sowieso nicht mehr.

Ich erlaube mir nachzurechnen… Sie waren also eine junge Frau, anfangs dreissig?

Genau. Ich bin von Beginn an herzlich aufgenommen worden. Wir sind quasi wie eine Familie und sind füreinander da.

Was war Ihre Motivation, ehrenamtlihe Mitarbeiterin zu werden?

Meine Motivation besteht darin, helfen zu können. Es geht dabei oftmals ums Begleiten und Zuhören und auch in der Lage zu sein, einen Sonnenstrahl in das Leben eines jeden Menschen zu bringen. Die Arbeit beinhaltet Lösungen, Wege, Anhaltspunkte zu finden, die das Leben leichter und glücklicher machen. Das Gefühl, für einen Fremden „nützlich“ gewesen zu sein, das ist es, was die Arbeit ausmacht. Es geht nicht darum eine Gegenleistung zu erwarten. So merkwürdig es auch klingen mag, wir kommen gestärkt und auch erfüllt aus diesen Begegnungen heraus.

Welche positiven Erfahrungen haben Sie als Freiwillige gemacht?

Die positiven Erfahrungen? Wo soll ich nur anfangen. Es gab so viele! 

Zunächst einmal die Entdeckung dieser Institution, der Hintergründe und der Menschen, welche ein Teil davon sind.

Wenn ich meinen Arbeitsplatz verlasse, fühle ich mich leicht und voller Dankbarkeit gegenüber jenen Menschen, die sich mir anvertraut haben, indem sie mir ein bisschen von ihrem Leben erzählt haben.

Ich lerne mitfühlend zuzuhören, wenn jemand mit mir spricht und die Feinheiten zu erkennen, die sich zwischen den „Wörtern“ einschleichen können.

Wurden Sie mit negativen Erfahrungen konfrontiert?

Ich sehe das anders. Alle Erfahrungen, ob gut oder schlecht, müssen gelebt werden. Selbst negative Erfahrungen sind dazu da, uns etwas zu lehren.

Ein Sprichwort sagt: Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Ist Ihr Umfeld über Ihre ehrenamtliche Tätigkeit informiert?

Ja, jedoch nur mein engstes Umfeld. Insbesondere mein Mann, dem ich meine wiederholten Abwesenheiten erklären musste. Vor allem, wenn es sich um nächtliche Abwesenheiten handelt (lacht).

Wie viel Zeit wenden Sie für die Arbeit bei der «Dargebotenen Hand» auf?

Ich bin noch berufstätig. Die Einsätze bzw. Verfügbarkeiten richten sich somit nach meinem Berufs- und Privatleben.

Welchen Tipp haben Sie für Personen, welche sich für diese Arbeit interessieren?

Der einzige Weg um allfällige Zweifel zu beseitigen, geht über die Erfahrung.

  • Sie müssen es versuchen, um es selbst herauszufinden.
  • Lernen Sie uns kennen, wir sind reich an Wissen und Erfahrung.
  • Die Arbeit bereichert persönlich mit wertvollen Erfahrung.

Zeit zu geben, was ist das? Lernen Sie vielmehr, Zeit für sich selbst zu nehmen.

Was machen Sie eigentlich in Ihrer Freizeit?

Ich führe ein ganz normales Leben. Arbeit, Haushalt, Einkäufe, Wäsche waschen und ab und zu ein Apéro geniessen (schmunzelt). Spazieren gehen, lesen und ein frohes Leben geniessen.

Ich bin ebenfalls in einigen Vereinsvorständen. Wenn man sich in die ehrenamtliche Arbeit stürzt, ist es schwer, wieder herauszukommen. Es ist ein bisschen wie die Kunst des Seins, eine Art des Lebens.

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Pierre (60), Ingenieur, verheiratet, Vater von vier erwachsenen Kindern, zweifacher Grossvater

Seit wann arbeiten Sie bei der Dargebotenen Hand?

Es sind jetzt acht Jahre.

Was bewog Sie dazu?

Das Gefühl zu haben, jenen zu helfen und diese zu begleiten, welche die Hand zur Hilfe ausstrecken.

Welche positiven Erfahrungen haben Sie gemacht?

Das gute Gefühl, Menschen im Alltag ganz konkret zu helfen.

Wurden Sie mit negativen Erfahrungen konfrontiert?

Ich spreche nicht unbedingt von „negativen Erfahrungen“, sondern eher von „komplizierten“ Situationen, die bewältigt werden mussten. Zum Beispiel durch Beruhigen eines Anrufers, damit dieser in seinem Leben gelassener vorankommen kann. Das Anbieten eines anderen Blickwinkels reicht oftmals aus, um zu beruhigen.

Haben Sie Ihr Umfeld über Ihre ehrenamtliche Tätigkeit informiert?

Ja, mein engster Familienkreis ist über meine Tätigkeit informiert. Sie wissen auch, das diese Tätigkeit sehr vertraulich ist.

Wie viel Zeit wenden Sie für die dargebotene Hand auf?

Ich für meinen Teil leiste das ganze Jahr hinweg durchschnittlich drei bis vier Samstage pro Monat. Ich habe mich für die Samstagsarbeit entschieden, weil ich an den Werktagen arbeite. Seit einigen Jahren bin ich auch am ersten Weihnachtsfeiertag und am 31. Dezember tätig.

Welchen Tipp geben Sie Personen, welche sich für diese Arbeit interessieren?

Etwas zu geben, zu helfen, sich Zeit für andere zu nehmen … das ist sehr bereichernd! Überzeugen Sie sich selbst, innerhalb unseres Teams ist die Stimmung unter den 60 Freiwilligen hervorragend. Und manchmal bedeutet Geben auch ein Nehmen.

Wie gestalten Sie Ihre Freizeit?

Neben meiner 100-prozentigen beruflichen Tätigkeit und dem Vergnügen, mit meiner Familie zusammen zu sein, lese ich gerne und begebe mich auch regelmässig zu Eishockeyspielen. Wenn es das Wetter zulässt, bin ich so oft wie möglich auf meinem Rad. Ich unternehme auch gerne Wanderungen.  

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Wir danken den beiden Freiwilligen, dass sie sich dazu bereit erklärt haben, einen Einblick in diese wertvolle Institution zu gewähren.

Übrigens; der 14.3. ist der Tag des Zuhörens. Auf der Webseite bzw. auf Facebook sind weitere zahlreiche News und Fotos aus den Regionen zu finden. Damit möchte Tel 143 auf den Wert des Zuhörens, Für-einander-da-Seins, und Miteinanderredens aufmerksam machen. Und allen mitteilen: «Wir sind für Sie da»!

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