In unseren bisherigen Newslettern konnten Sie mehr über die Geschichte der Dargebotenen Hand erfahren und zwei aktive freiwillige Mitarbeiter schilderten ihre Erlebnisse. Heute geben wir das Wort Säelle Bornet, Direktorin von der Dargebotenen Hand Wallis.

Wir wenden uns nun an Saëlle Bornet. Was war ihr Weg, der Sie zur Direktion der Dargebotenen Hand Wallis geführt hat? 

Ich bin gelernte Sozialarbeiterin und habe 12 Jahre im Suchtbereich gearbeitet. Nach der Absolvierung eines Aufbaustudiums in Psychiatrie, habe ich eine Ausbildung in Eventmanagement und Sponsoring abgeschlossen. Die Führungsposition bei der Dargebotenen Hand ermöglicht es mir, sowohl helfend als auch organisatorisch tätig zu sein. Dies ist eine sehr interessante Aufgabe.
 
Sie sind seit dem 1. Januar 2020 an der Spitze der Dargebotenen Hand Wallis. Wie würden Sie dieses besondere Jahr nach mehr als 300 Tagen in der Geschäftsführung zusammenfassen?

Ich ziehe eine sehr positive Bilanz. Wie schon vor meinem Stellenantritt und erst recht heute, bin ich davon überzeugt, dass die Dargebotene Hand einzigartig ist, und nützliche sowie wichtige Dienstleistungen bietet. Die Nummer 143 ist ein ergänzender Dienst zu allem, was es gibt. Es ist so motivierend, für eine Sache zu arbeiten, die uns so sehr am Herzen liegt. Ich bin auch allen Freiwilligen sehr dankbar, die ihre Zeit zur Verfügung stellen, um diese Mission zu erfüllen.

Natürlich ist 2020 ein besonderes Jahr. Wir haben auf verschiedenen Ebenen viel Leid bei den Menschen gespürt. Der Auftrag der 143 macht in diesen schwierigen Zeiten für die gesamte Bevölkerung noch mehr Sinn.

Wie viele Anrufe erhalten Sie in einer normalen Situation in 24 Stunden?

2019 waren es im Durchschnitt 35 Anrufe pro Tag. Seit der 1. Welle des Coronavirus ist die Anzahl der Anrufe auf manchmal mehr als 50 Anrufe pro Tag gestiegen. Wir werden die Zahlen für 2020 noch genauer analysieren müssen.

Aber wir haben eine Zunahme der Anrufe festgestellt. Besonders am frühen Abend und in der Nacht. Die Inhalte sind vielfältig: Menschen, die sich einsam und isoliert fühlen, die sich fehl am Platz fühlen, weil viele öffentliche Betriebe geschlossen waren; Gewaltsituationen; Eheprobleme, dunkle Gedanken, usw.

Verfügt die dargebotene Hand in dieser schwierigen Zeit der Pandemie über genügend Ressourcen?

Dank der grossen Bereitschaft der Helfer, aber auch dank ehemaligen Freiwilligen, die sich bereit erklärt haben, den Dienst zu übernehmen, konnten wir den Dienstplan gut organisieren.

Es waren mehrere Gesprächspartner anwesend, um möglichst viele Anrufe zu beantworten. Natürlich versuchen wir, so gut wie möglich uns um jeden Anruf zu kümmern. Aber wenn 4 oder 5 Anrufe gleichzeitig eingehen, müssen wir die Leute manchmal ein wenig warten lassen. Eine Nachricht informiert sie, dass sie bereits in der Warteschleife sind und verweist sie je nach Bedarf an die Notrufnummer 117 der Polizei oder an den medizinischen Notruf 144. Wenn die laufenden Gespräche wirklich länger dauern, werden sie gebeten, etwas später zurückzurufen. Wir tun unser Bestes, um sicherzustellen, dass jeder Anruf beantwortet wird.

Das heisst, dass die Dargebotene Hand « Ohren » braucht

Immer! In der Tat, 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche bedeutet, Menschen zu haben, die motiviert und bereit sind, sich zu engagieren.
 
Wie gestaltet sich die Grundausbildung der freiwilligen Mitarbeiter?

Sie ist über 9 Monate verteilt. Das mag auf den ersten Blick als sehr lange erscheinen. Es gibt aber mehrere „Module“ an Vormittagen, in denen sich Theorie und Praxis abwechseln.

Im zweiten Teil begleiten die „Azubis“ Mitglieder des 143 und hören den ausgebildeten freiwilligen Mitarbeitern während den Anrufen zu. Damit erhalten sie eine konkretere Vorstellung von den Anrufen und den verschiedenen realen Situationen und können sich mit den erfahreneren Personen in Gesprächen austauschen.

Wir organisieren Schulungsabende mit verschiedenen Themen mit externen Referenten: Polizei, OHG, Sucht Wallis. Ein Anwalt für den rechtlichen Teil, ein Pfarrer für die Spiritualität, usw. sind ebenfalls dabei.

Im letzten Teil werden die Auszubildenden aktiv. Sie nehmen Anrufe unter der Aufsicht eines erfahrenen Freiwilligen entgegen. Diese Phasen des „betreuten Zuhörens“ bieten den neuen Mitgliedern eine sichere Grundlage für den Einstieg.

Die Schulung ist für die Teilnehmer kostenlos.

Alle Schritte werden von unserem bekannten, anerkannten, dynamischen und motivierten Schulungsleiter Christian Bonvin betreut. 

Und die Weiterbildung?

Dieses Jahr mussten wir die Weiterbildung überdenken und stattdessen Fernunterricht, aufgrund der gesundheitlichen Einschränkungen, in Betracht ziehen.

Wir bieten Vorträge an, die sich auf bestimmte Anliegen konzentrieren. Die Möglichkeit zur Nachbesprechung schwieriger Gespräche mit unserem Psychologen und Schulungsleiter sowie Erfahrungsaustauschgruppen zwischen den freiwilligen Mitarbeitern…

Im Bereich der Weiterbildung sind mehrere Projekte in Arbeit.

Welche Leistungen sollen von den Freiwilligen erbracht werden?

20 Stunden pro Monat, aufgeteilt in mehrere Arbeitszeiten. Dies mag umfangreich erscheinen, sowohl in Bezug auf die Ausbildung als auch auf die Hörstunden. Sicher ist dies eine nicht zu verachtende Zeitinvestition, aber es ist auch eine grosse persönliche Bereicherung, bietet Begegnungen und ermöglicht die erworbenen Fähigkeiten anzuwenden. Geben ist wie eine Nahrungsquelle, sie bringt viel und gibt dem Leben einen Sinn.

Zögern Sie nicht, uns bei Interesse oder Fragen zu kontaktieren!

Vielen Dank, Saëlle, für Ihre Zeit. Wir wissen ein wenig mehr über Ihre Arbeit des Zuhörens und der Unterstützung der Schwächsten in unserer Gesellschaft. In diesen immer noch unsicheren Zeiten wollen wir hoffen, dass Ihre Aussage neue Berufene inspirieren kann.

Mehr Infos : https://valais.143.ch/Qui-sommes-nous

Zum Lesen: La magie de l’écoute, Francesca Sacco, Georg Editeur

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